Spondylose beim Hund

Einleitung

Zunächst begleitete mich die Spondylose (im Fachbegriff spondylosis deformans) als eine der häufig auftretenden degenerativen Skeletterkrankungen des Hundes in meiner Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin. Später dann, im Herbst 2020, wurde sie plötzlich zum Alltag, nicht nur meiner Praxis, sondern leider auch einer meiner Hunde.

Vielleicht ist dieser Blogartikel ein Ansporn für andere Hundehalter, bei unklaren Bewegungseinschränkungen auch dieses Krankheitsbild in den Fokus zu stellen, bzw. für Züchter, ihre Zuchthunde in jedem Fall auch auf Spondylose röntgen zu lassen, obwohl dies vielleicht keine explizite Vorgabe ihres betreuenden Rassezuchtvereins ist.


Krankheitsbild/ Symptome/ Formen

Krankheitsbild

Die Spondylose bezeichnet eine fortschreitende Verknöcherung der Wirbelsäule des Hundes, betroffen sind hier meist die BWS (Brustwirbelsäule) und die LWS (Lendenwirbelsäule). Durch die Ausbildung von Osteophyten verknöchern die Wirbelzwischenräume und werden unbeweglich, langfristig und bei weiterem Fortschreiten können auch die Nerven (Nervenkanal)  beeinträchtig werden.

Je nach Verlauf der Erkrankung kann es dadurch zu neurologischen Ausfallerscheinungen (Lähmungen) und/ oder auch zu sekundären Erkrankungen (Bandscheibenvorfällen) kommen.

Das Fortschreiten der Spondylose erfolgt in oft entzündlichen Schüben, welche dann schmerzhaft für den Hund sind. Trotzdem ist sie sehr häufig ein Zufalls- oder Nebenbefund bei anderen Untersuchungen.

Symptome

Symptome können Schmerzen im Rücken (Berührungsempfindlichkeit), Bewegungsunlust, plötzliche Probleme beim Springen ins Auto, Vermeiden bestimmter, vorher mühelos durchgeführter Bewegungen, Abgeschlagenheit, Hinlegen in untypischen Situationen, Appetitlosigkeit oder eine steife/ aufgezogene Rückenlinie sein.

Man geht heute davon aus, dass es eine Altersspondylose (jeder ältere Hund kann erkranken, nur einzelne Wirbel sind betroffen) und die sogenannte Jugend- Spondylose, welche bereits im Alter von 12 Monaten beginnt, gibt.

Unterteilt wird die Schwere der Spondylose in vier, bzw. in fünf Grade:

 

Grad 0: spondylosefrei

Grad I: leichte Form, Knochenzacken an den Wirbeln

Grad II: mittlere Form, ausgeprägtere Knochenzacken an den Wirbeln (sog. Papageienschnäbel)

Grad III: schwere Form, isolierte Brücken haben sich zwischen den Wirbelkörpern gebildet

Grad IV: schwerste Form, Brücken haben sich zu Knochenplatten ausgebaut (sog. Bambuswirbelsäule)


Röntgenbilder

Die Pfeile sind einfach auf die hervorstechendsten Zubildungen an den Unterseiten von Jigas Wirbeln (BWS und LWS) gerichtet- man kann weitere Veränderungen erkennen, der weitere Bereich der LWS (Lendenwirbelsäule) und des Sacrums (Kreuzbeins) sehen auch verändert aus, was ggf. auf weitere pathologische Befunde hindeuten kann.

Ich bin kein Gutachter, aber diese Spondylose könnte man wohl als Grad II bis III bezeichnen.

Da mit diesem Röntgenbild für mich ein weiterer Zucht- oder Sporteinsatz von Jiga völlig indiskutabel war und die Veränderungen offensichtlich sind, habe ich auf eine offizielle Befundung durch unsere Auswertungsstelle verzichtet.


Erfahrungsbericht Jiga

Auch bei Jiga handelte es sich um einen sogenannten "Zufallsbefund". Rein aus Vorsicht und weil ich einen Wurf mit ihr geplant hatte, ließ ich einfach zum vaginalen Abstrich und der Blutuntersuchung auch ein Röntgenbild der Wirbelsäule anfertigen.

Als ich den Röntgenraum betrat und die Bilder sah, hatte ich noch kurz die Hoffnung, dass diese vom Patienten vorher noch dort hingen- das war aber natürlich nicht so. Die Diagnose zog mir erstmal den Boden unter den Füssen weg- keine Zucht mehr, kein Sport mehr, aber das Schlimmste: meine beste Freundin war wirklich wirklich krank, obwohl man es ihr nie angemerkt hat!!!

Professionell ist man dann beim eigenen Hund zunächst überhaupt nicht, man hat die gleichen Bilder vor Augen wie jeder Hundebesitzer ohne Ausbildung auf diesem Gebiet- vielleicht ist es sogar noch extremer.

Aber natürlich haben wir uns alle wieder gefangen und Jigas Leben ein klein wenig "umgebaut". Wo es geht versuche ich zu vermeiden, dass sie wild springt (natürlich darf sie, wenn sie Lust hat mit den anderen spielen und toben!), sie geht bei Regen und bei Kälte in einem Mantel Gassi und wir haben nun eine Standheizung im Bus eingebaut, damit sie nicht auskühlt, wenn sie dort mal warten muss.

Außerdem bekommt sie regelmäßig ihre Physio- Einheiten, Bewegungsübungen und Futterzusätze, angepasst an ihre derzeitige Situation.


Zahlen und Fakten zur Spondylose

Leider ist es schwierig, hier eindeutige Studien oder Auswertungen zu finden, denn es wird nicht flächendeckend  untersucht und wie weiter oben bereits erwähnt, ist die Spondylose oft ein Zufallsbefund.

Einig ist man sich jedoch bisher, dass die Spondylose zumeist eine Erkrankung grösserer Hunderassen ist, jedoch auch gehäuft bei Rassen mit deformierter Wirbelsäule vorkommt.

 


Behandlungsmöglichkeiten

Eine Heilung gibt es nicht, es gibt auch keine Möglichkeit, diese Erkrankung langfristig wirksam aufzuhalten.

Man kann jedoch versuchen, die Beweglichkeit der Wirbelsäule so lange als möglich zu erhalten und vor allem die Schmerzen durch einen Schub für den Hund in den akuten Phasen so gering als nur möglich zu halten.

Schmerzmedikation: ist in Zeiten eines Schubes sicher eine gute, wichtige Unterstützung und der Patientenbesitzer sollte nicht zögern, diese in Rücksprache und nach Verordnung des Tierarztes einzusetzen.

Physiotherapie: in diesem Bereich gibt es vieles, was dem Hund langfristig gut tut und hilft, die Beweglichkeit schonend so lange als möglich zu erhalten. Hier seien Bewegungstherapie, Wärmetherapie, Massagen, UWL und Magnetfeld nur als einige Beispiele genannt und können mit eurem Hundephysiotherapeuten in Rücksprache mit Eurem behandelnden Tierarzt sehr gute Erfolge für die Schmerzreduktion und die Beweglichkeit bringen!

Auch Futterzusätze können eine sehr gute Unterstützung sein, hierzu hat Eure/ Euer Physio sicher eine Liste mit unterschiedlichen Möglichkeiten, die sie/ er Euch auf Anfrage sicher gerne zur Verfügung stellt.


Ursachen

Die Ursachen… Wirklich ganz genau und bewiesen gibt es hierzu keine Angaben, die Jugend- Spondylose soll einen sehr hohen genetischen Faktor haben. Außerdem stehen Traumata oder Überbelastungen des Skeletts, besonders in jungen Jahren und im Wachstum im Verdacht, Spondylose zu begünstigen.

Grundsätzlich zusammengefasst findet man in der Literatur folgende Ursachen:

 

- genetische Disposition

- Umwelteinflüsse

- lang andauernde, starke Belastung (auch durch Übergewicht)

- Traumata

- Zucht von unnatürlichen Skelettformen


Ist Vorbeugung möglich?

Um es kurz zu machen: eine Vorbeugung ist nur teilweise möglich. Eine ständige Überbelastung im Sport oder durch Übergewicht ist sicherlich für den gesamten Bewegungsapparat nicht förderlich!

Dazu zählt für mich auch unbedingt das exzessive Bällchen- oder Frisbee- Werfen, um den Hund auszupowern- dies sind keine adäquaten Beschäftigungen und Auslastungen für unsere Hunde!!

Welpen und Junghunde sollten regelmäßige Ruhephasen einhalten- zwar brauchen Knochen und Gelenke zum sauberen Wachstum Zug und Schub, aber ein Zuviel ist immer schlecht. Zu Belastungen im Welpen- und Junghundealter gibt es bereits einen Blogartikel bei HPC, hier findet Ihr ihn.


Ein Hundeleben mit  Spondylose

Das heißt für viele Patienten und ihre Besitzer den bisherigen Alltag ein wenig oder auch ein wenig mehr umzukrempeln.

Hier ein paar Grundsätze, die jeder Hundehalter für seinen Spondylose- Hund beherzigen sollte:

- keine unnötigen Sprünge, schon gar nicht im Hundesportbereich!

- Auskühlen, besonders der Rückenpartie des Hundes vermeiden (Mantel, Standheizung)

- keine Scheu vor Schmerzmedikation, wenn sie notwendig und mit dem Tierarzt abgestimmt ist!

- regelmäßige Physiotherapie!

- angepasste Bewegung, denn nichts ist schädlicher als keine Bewegung!

Gewichtsmanagement wo notwendig (jedes Kilo zuviel ist hier noch schädlicher als beim gesunden Hund)!

Futterzusätze!

- ggf. eine Ein-, Aus- oder Aufstiegshilfe für Auto oder Couch zu Hause (je nach Fortschritt der Krankheit)!

- bei allen Unklarheiten oder einer Verschlechterung des Zustands des Hundes: IMMER zum Tierarzt!


Für alle Hundehalter, deren Vierbeiner betroffen sind: lasst euch auch an schlechteren Tagen nicht unterkriegen, viele an Spondylose erkrankte Hunde können noch ein langes, glückliches und relativ beschwerdefreies Leben führen- mit Eurer Hilfe!!